Das Upcycling-Comeback - Aus alter Kleidung wird neue Kinderkleidung

Die Münchnerin Anna Wolf hat sich mit Ihrem Label WOLFSKIND und eigenen Näh-Kursen selbstständig gemacht und sich so einen Traum erfüllt. Wir haben die gelernte Textildesignerin zum Interview getroffen. Seit einigen Wochen hat sie ein spannendes neues Upcycling-Angebot – die COMEBAG - Das Upcycling-Comeback für deine Kleidung.

Erzähl uns doch mal ein bisschen was über dich und dein Label WOLFSKIND - wie bist du zu dem gekommen, was du heute machst?

Ich habe Textildesign an der Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart studiert und dort mein Diplom gemacht. Eigentlich wollte ich immer Modedesign studieren. Ich nähe seit meinem 13. Lebensjahr und hatte vor meinem Studium einige Praktika im Modebereich gemacht. Meine erste Festanstellung war dann im Aircraft-Bereich und der Herstellung von Textilien. Die Firma, für die ich arbeitete, war sehr auf Nachhaltigkeit bedacht. Alles Made in Germany und es wurden reine Wollstoffe verwendet. Da habe ich meine Faszination für Naturprodukte entdeckt. Die natürlichen Eigenschaften und die Langlebigkeit sind mit künstlichen Materialen kaum zu imitieren. Trotzdem fallen in der Industrie immer große Mengen an "Abfall" an, der mich inspirierte. Ich dachte immer: Da kann noch was Schönes draus machen! Letztendlich mit bin mit WOLFSKIND wieder in der Mode gelandet. Mein eigenes (Wolfs-) Kind brachte mich zu dem Namen und zu der Idee "Mode für kleine Entdecker" zu machen.

Du bietest neben fertigen Produkten zum Kauf auch Näh-Kurse in München mit einem ganz besonderen Konzept an. Wie genau läuft das? 

Als ich mich selbstständig machen wollte, hatte ich zwei Ideen. Zum einem ein das Label WOLFSKIND, zum anderen Kreativkurse für Mamas zu geben. Als ich dann mein tolles Atelier fand und plötzlich viel mehr Platz hatte, als ich es mir erhofft hatte, musste ich mich nicht mehr zwischen A oder B entscheiden, sondern konnte beides ausprobieren. Hinter CREATIV MUMS verbergen sich Kreativkurse für Mamas mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Das Besondere dabei ist, dass die Mamas ihre Babies mitbringen können. Die Kurse finden tagsüber und unter der Woche statt. Mir selbst ging es mit meinem Kind so, dass ich gerne etwas Kreatives machen wollte, die meisten Kurse aber entweder abends unter der Woche stattfanden, oder am Wochenende. Außerdem traute ich mich nicht, dort mit Kind aufzutauchen, weil ich Angst hatte die anderen Teilnehmer "zu stören". Es gibt viele Kursangebote für Mamas mit Kind, aber meist dreht es sich dann auch ums Kind. Bei meinen Kursen ist es mir wichtig, dass die Mamas auch etwas davon haben und am Ende mit etwas Schönem nach Hause gehen können. Hoffentlich inspiriert  und entspannt, weil man endlich mal wieder etwas zu Ende bringen kann. Während des Kurses haben die Mamas natürlich auch Zeit und Raum, ihr Kind zu Stillen oder sich mit anderen Mamas auszutauschen. Und damit sie auch zum Kreativsein kommen, übernehme auch ich zwischendurch die Bespaßung der Kleinen.

Vor Kurzem hast du noch etwas anderes gestartet, das sich um das Thema Upycling alter Kleidung dreht. Wie ist dir deine neuste Idee zur COMEBAG (Upcycling-Wundertüte) gekommen und was genau beinhaltet sie?

Die Idee für die COMEBAG ist eigentlich aus meinen Kursen heraus entstanden. Letztes Jahr habe ich UPCYCLING-Kurse angeboten. Um die Kurse zu bewerben, fing ich an, ein paar Beispiele zu nähen und in meinen Instagram-Stories zu posten. Irgendwann gingen mir meine alten Kleider aus und ich dachte mir; warum nicht schon mit der Werbung was verdienen. Also bot ich an, dass man mir seine alte Kleidung zuschickt und für 20 Euro pro altes Kleidungsstück etwas Neues für sein Kind bekommt.

Der COMEBAG ist ein Zettel beigelegt, den man ausfüllen muss und mit seinen Kleidungsstücken zusammen in dem Sack zurück an mich schickt. Größe und Geschlecht des Kindes wird abgefragt und ich nähe dann, was das Material hergibt.

Wie wurde das Angebot von deiner Community angenommen?

Die Resonanz war großartig! Kurz vor Weihnachten, kam dann die Idee, Nachhaltigkeit zu verschenken und aus der Upcycling-Idee ein Produkt zu entwickeln. Am Anfang hatte die COMEBAG den Arbeitstitel " Upcycling Wundertüte"...etwas unsexy. Also habe ich eine Umfrage gestartet und viele tolle Namensvorschläge bekommen. Unter anderem COMEBAG - als Comeback für alte Kleidung. Genial!

Die ersten 5 Prototypen waren schnell verkauft. Außerdem gab es viele Anfragen, ob man auch mehr als 2 Kleidungsstücke (die COMEBAG ist auf 2 limitiert) schicken kann. Die COMEBAG ist mehr als Geschenk gedacht. Wer für sich selbst Interesse hat, kann mir jederzeit schreiben und das UCYCLING-Angebot in Anspruch nehmen. Ich freu mich riesig, dass es so viel Interesse gibt und hoffe, dass es sich weiter rumspricht.

Was genau macht dein Label WOLFSKIND neben der COMEBAG eigentlich nachhaltig?

Das Thema Nachhaltigkeit sollte bei WOLFSKIND eigentlich nicht im Fokus stehen. Ich merke aber, wie mich das Thema unterbewusst beschäftigt und vor allem inspiriert. Nur weil etwas nicht mehr passt oder gefällt, muss es noch lange nicht ausgedient haben. Genauso bei den WOLFSKIND-Lauflernschuhen. Nur weil Lederstücke für die Industrie zu klein sind oder ein Farbton nicht getroffen wurde, ist das Material doch nicht schlechter. Meine Produkte sind keine Massenprodukte. Dafür in limitierter Auflage handgefertigt in München in meinem Atelier.

Wo gibt es deine Produkte – außer bei jesango – noch zu kaufen?

Mittlerweile kann man die COMEBAG schon in Österreich im PROPELLA - Der Laden für Kinder kaufen. Der Laden legt großen Wert auf nachhaltige Produkte und fand die Idee so toll, dass ich die Chance bekam das Produkt bei Ihnen zu verproben. Außerdem habe ich einen Online Shop.

Sind alle Kunden dann mit dem Ergebnis happy?

Gedacht war es als "Wundertüte". Das Kundenfeedback war allerdings, dass man gerne Einfluss darauf haben möchte, was man zurückbekommt. Ich werde das bei der zweiten Generation der COMEBAG mit aufnehmen, allerdings wird es nur möglich sein, Wünsche zu äußern; ohne Garantie, denn nicht jeder kann realistisch einschätzen, was in welcher Größe mit dem vorhandenen Material wirklich machbar ist. Aus 2 alten Kleidungsstücken nähe ich garantiert 2 Neue. Oft lasse ich mich aber noch dazu hinreißen aus kleinen Resten noch ein weiteres kleines Accessoire zu nähe, wie ein Haarband, oder eine Mütze. 

Bis jetzt konnte ich immer alle Wünsche umsetzten. Hosen, Jumpsuits, Kleider, Röcke, Westen... immer mit einem Touch WOLFSKIND-Design, denn das Label darf am Schluss nicht fehlen.

Danke für das Gespräch, liebe Anna. Wir finden deine Leidenschaft für Upcycling ganz wunderbar und sind gespannt wie es bei dir weitergeht.

Wer einen Kurs bei Anna buchen will, findet alle Infos unter www.wolfskind.de

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