Fast Fashion während Corona

„Jede Krise bietet auch die Chance, darüber nachzudenken, wie man sein Geschäft für die Zukunft gestalten will.“

– Alexander Birken, Chef der Otto Group

Bisher waren es immer Katastrophen, die etwas in der Branche bewirkt haben. Aber inwiefern hat Corona wirklich der Fast Fashion Branche zugesetzt und lässt sich dadurch ein langfristiger Trend hin zu mehr Nachhaltigkeit verzeichnen?

Zu Beginn lässt sich sagen, dass Mode taktil ist. Bisher erzielte die Branche also 80 Prozent ihres Umsatzes in Filialen, die restlichen 20 online. Durch die Krise hat sich jedoch einiges auf dem Markt geändert:

Der weltweite Lockdown hat dazu geführt, dass Kleidungskäufe allgemein zurück gegangen sind. Für was auch? Jegliche Anlässe, zu denen man ein neues Piece hätte tragen können, fielen ja schlichtweg aus. Dies setzte der Branche stark zu. Der Weltmarktführer Inditex, zu dem auch Zara, Bershka und co. gehören, verzeichnet im ersten Quartal des Jahres einen Verlust im dreistelligen Millionenbereich, der erste seit dem Börsengang im Jahr 2001.

Und auch das social distancing macht den Konsumenten ein entspanntes Shopping Erlebnis nicht gerade leichter. Was tun also? Genau! Ab auf die Couch und statt rein in die Läden, ins Internet: Online shopping. Der Wunsch nach E-Commerce steigt, das zeigt auch die Lockdown-Zeit. Im April und Mai diesen Jahres haben die Marken so viel Umsatz mit dem Online Geschäft gemacht wie sonst nur in der Weihnachtszeit, dem eigentlich umsatzstärksten Monat.

Corona hat also auch Spuren im Kleidungsstil hinterlassen: Weg von ausgefallenen Ausgeh-Outfits hin zu chilliger Loungewear.

Und am liebsten billig bitte!

Eine Umfrage zu den Corona-Folgen zeigt: Jeder zweite Deutsche will weniger für Mode ausgeben. Denn die Krise hat eben auch dazu geführt, dass Menschen mehr aufs Geld achten und dadurch andere Themen wie Nachhaltigkeit in den Hintergrund rücken.  

Die Pandemie hat eben nicht nur die Verwundbarkeit von Privatpersonen auf den Tisch gebracht. Das mit der Globalisierung entstandene Manko der Fast Fashion Konzerne wurde zum Verhängnis: Die Abhängigkeit von den asiatischen Staaten und somit die Verwundbarkeit globaler Lieferketten. Wobei die ganze Kette von Textilfabriken in Produktionsländern bis hin zu den Marken betroffen ist. Dies birgt diverse Nachteile. Die auf das Geld angewiesenen Arbeiter leiden unter dem Verlust von Arbeitsplätzen. Dazu kommt, dass das Ansteckungsrisiko in den Billiglohnsektoren aufgrund der engen Räumlichkeiten, und somit meist nicht einhaltbaren Sicherheitsstandards, um einiges höher ist.

Zumal die Ökobilanz zusätzlich erschreckende Zahlen aufweist: Schon 2015 betrug die durch die Textilindustrie erzeugten Emissionen 1,2 Milliarden Tonnen. Mehr als die internationale Luft-und Schifffahrtbranche zusammen. Auch in Anbetracht der Tatsache das 2050 voraussichtlich 25 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen von der Textilindustrie stammen werden, sollte sich der Überkonsum fortsetzen. Führt man sich das einmal vor Augen, wird schnell klar: SO KANN DAS NICHT WEITERGEHEN!

Wird es durch Corona vielleicht auch nicht?!

Durch die Auswirkungen des Virus lässt sich eine Tendenz zu einer veränderten Verbrauchermentalität erkennen, zurück zur Kreislaufwirtschaft, hin zu Second Hand. Wodurch der eigene ökologische Fußabdruck letztlich auch nur reduziert werden kann. Eben wenn schon ursprünglich produzierte Kleidungsstücke länger getragen werden. Da kann auch die nachhaltige Produktion nicht mithalten.

Es zeigt sich also, dass die Pandemie und die Fast Fashion Industrie nicht coexistieren können. Aufgrund der stark von der Saison abhängigen Mode und den ständig wechselnden Kollektionen fällt es der Branche schwer sich zu erholen und zwingt diese unteranderem zur Einlagerung von Ware, was ja eigentlich völlig gegenläufig zum eigentlichen Prinzip der Fast Fashion ist.

Spenden kommt bei den meisten Fällen nicht in Frage, weil es billiger ist die Kleidung zu vernichten..

Abschließend kann man also festhalten, dass die Pandemie nicht ausreicht um nachhaltigen Konsum zu fördern. Ja, sie hat zu einer Konzentrierung des Marktes geführt und schätzungsweise werden wohl weniger Kollektionen pro Jahr auf den Markt kommen als in den vergangenen. Allerdings hängt auch das vom Konsumverhalten des Verbrauchers ab. Leider ist jedoch oft der Preis ausschlaggebend und von ökologischen und sozialen Bedenken wird schnell abgesehen. Da aber nun einmal jedes zusätzlich erworbene Kleidungsstück einen geringeren zusätzlichen Nutzen bringt, werden die Bekleidungsunternehmen langfristige Erfolge erzielen, die auf Qualität und Langlebigkeit von Textilien setzen.

Was uns Corona aber dennoch gezeigt hat:

Mäßiger Konsum geht nicht mit Verzicht einher! Wir alle müssen wohl einen oder am besten gleich mehrere Gänge zurückfahren, denn: Sich, auf einem Planeten mit endlichen Ressourcen lebend, so zu verhalten als hätten wir unendliche, kann ja nur schiefgehen. 

 

 // Maya Winter hat diesen Beitrag recherchiert und geschrieben 

 

Quellen:

https://www.globalcitizen.org/de/content/coronavirus-mode-global-goals-sgd-nachhaltigkeit/

https://www.handelsblatt.com/unternehmen/handel-konsumgueter/fast-fashion-die-coronakrise-bedroht-das-erfolgsmodell-der-modebranche/25905298.html?ticket=ST-2775989-fNImfQ4dczSgDYigKkd1-ap5

https://institutional.union-investment.de/startseite-de/Kompetenzen/Nachhaltige-Investments/Themen/ESG-nach-Corona/These-9.html

 https://fashionunited.de/nachrichten/business/coronavirus-bremst-fast-fashion-aus/2020062236045

https://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/h-and-m-in-der-corona-krise-wie-das-unternehmen-profitieren-kann-a-bc5cf1b5-9f9d-4f97-9fed-3dd7b003a61e

 

 

2 Kommentare

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