So schädlich kann Kosmetik sein

 

Die Kosmetikindustrie steht schon länger in der Kritik schädigende Inhaltsstoffe in ihrer Herstellung einzusetzen. Verboten ist das aktuell noch nicht, obwohl viele eingesetzte Materialien unter Verdacht stehen unsere Gesundheit erheblich zu beeinträchtigen. Kosmetika und Make-up werden zwar nur oberflächlich aufgetragen, durch die Poren aber in die Haut aufgenommen und gelangen so in unsere Körper. Die meisten Menschen nehmen sogar mehr Giftstoffe durch Kosmetik als durch ihre Nahrung auf. Außerdem gelangen die Schadstoffe beim Abwaschen in unser Abwasser. Sie können nicht richtig gefiltert werden und landen somit auch langfristig im Wasserkreislauf. Kosmetik landet aber auch direkt in unserem Körper: Denn laut dem National Health and Medical Research Council von Canberra „isst“ eine Frau während ihres Lebens zwischen 500 und 1500 Gramm Lippenstift. Ein Grund mehr, sich genauer mit den Inhaltstoffen zu befassen. Unsere Praktikantin Maria hat das Ganze mal recherchiert.

Parabene

Parabene sind hormonell wirkende Substanzen, die eine antibakterielle Wirkung haben. Gewonnen werden sie aus Pflanzen wie Weintrauben und Zwiebeln oder auch aus einigen Gewürzen. Sie werden oft als Konservierungsmittel genutzt, um Produkte haltbarer zu machen. Deshalb finden sich Parabene vor allem in Cremes, Lotionen und Lippenstiften wieder. Nach der Aufnahme in die Haut wirken sie aufgrund der vergleichbaren chemischen Struktur wie körpereigene Hormone, die den sensiblen Hormonhaushalt beeinflussen. Da sie dem weiblichen Sexualhormon Östrogen sehr ähnlich sind, können sie das männliche Sexualhormon hemmen. Das kann zu Fruchtbarkeitsproblemen bei Männern und Brustkrebs führen. Mittlerweile bieten die meisten Kosmetikhersteller aber parabenfreie Alternativen an.

Tenside

Tenside oder Emulgatoren sind in vielen Cremes enthalten, um die unmischbaren Flüssigkeiten Wasser und Öl zu binden. Doch häufig eingesetzte Typen wie Sodium-Lauryl-Sulfat (SLS) oder Polyethylenglykol (PEG) haben eine stark entfettende, irritierende Wirkung auf die Haut, sodass diese noch anfälliger für Schadstoffe wird. Tenside sind nämlich sehr aggressive Reinigungsmittel, welche oft zur Reinigung von Maschinen genutzt werden. Emulgatoren können außerdem starke Allergien hervorrufen und reizauslösend sein. Zudem enthalten sie möglicherweise krebserregende Rückstände von Ethylenoxid. Man erkennt sie an der Bezeichnung „PEG“ oder wenn der laut „-eth“ in einem Stoff vorkommt. Da in der Naturkosmetik Tenside verboten sind, sollte man bestmöglich auf solche Produkte zurückgreifen.

Talkum

Talkum ist ein Mineral aus weißem Schichtsilikat, welches in pulverisierter Form für Kosmetika verwendet und in Minen abgebaut wird. Es ist vor allem in Bronzer, Puder, Rouge und Foundation zu finden, da es Talg absorbiert und Make-Up eine abdichtende, wasserabweisende Wirkung verleiht. Beim Einatmen von Talkum besteht jedoch die Möglichkeit, dass durch Feinstaubablagerungen Lungenentzündungen entstehen. Außerdem soll es Fasern enthalten, die Asbest sehr ähneln, weshalb dem Mineral auch nachgesagt wird mit Lungen- und Eierstockkrebs in Verbindung zu stehen. Direkt nachgewiesen ist der Krebszusammenhang bis jetzt jedoch noch nicht. Aber auch die ethischen Bedingungen sind nicht gerade rosig: Der Großteil von Talkum wird in Minen in Ostafghanistan abgebaut, welche vom Islamischen Staat kontrolliert werden und somit die Situation des Landes weiter verschlimmern. Wegen der hohen Nachfrage aus Amerika und Europa stellen die Minen einen großen Anteil der Finanzierung der Terrororganisation dar. Hinzu kommt, dass vor allem Kinder aufgrund ihrer Größe in den kleinen Talkminen unter sehr schlechten Bedingungen arbeiten. Talkum wird leider immer noch sehr häufig in Kosmetik verwendet und hat keine Kennzeichnungspflicht. Erkennen kann man das Mineral an der Bezeichnung „Talk, Talc, Talkum oder Talcum“

Mikroplastik

Als Mikroplastik bezeichnet man kleine Kunststoffteile die einen Durchmesser von maximal fünf Millimeter haben. Sie sind nicht biologisch abbaubar und können, nachdem sie ins Abwasser geflossen sind, nicht ausreichend gefiltert werden. Dadurch gelangen sie schließlich in unseren Wasserkreislauf. Warum wird es dann absichtlich in Kosmetika verwendet? Mikroplastik wird vor allem für den Peelingeffekt und als Füll-bzw. Bindemittel in Duschgels oder Cremes eingesetzt. Alternativen zu finden ist nicht gerade einfach, da noch keine Kennzeichnungspflicht besteht. Hersteller listen Mikroplastik aber oft in den Begriffen „Polyethylen“ oder „Acrylates Copolymer“.

Bakterien

Besondere Vorsicht ist in Drogerieläden und Schminkgeschäften geboten. Denn die Make-up-Proben sind allesamt mit E.coli- (aus dem Dickdarm), Staphylokokken- und Streptokokkenbakterien belastet, die andere Personen verunreinigt haben. Ein einzelner Tester wird nämlich im Schnitt von 30 bis 40 verschiedenen Menschen benutzt. Einige können bei Hautkontakt eine Infektion oder Bindehautentzündung vervorrufen. Die beste Lösung ist keine Proben zu verwenden. Falls es gar nicht anders geht kann man sie auf den Handrücken auftragen, sollte sie aber zügig wieder entfernen.

Chemische UV-Filter

Chemische UV-Filter sind vor allem in Sonnencreme zu finden. Aber auch in durchsichtig verpackten Shampoos, Parfüms und Lotionen werden sie eingesetzt, um die enthaltenen Farb- und Duftstoffe länger zu erhalten. Erkennbar sind sie an der Bezeichnung „Lichtschutz“. Problematisch ist, dass chemische UV-Filter nicht auf der Haut verbleiben, sondern durch die Poren einziehen und sich im Körper ablagern können. Einige Filter wie zum Beispiel „Ethylhexyl Methoxycinnamate“ oder „Benzophenone“ können sogar den Hormonhaushalt beeinflussen und zu Allergien führen. Ethylhexyl ist eine flüssige, synthetisch produzierte Substanz aus Zimtsäure. Benzophenone hingegen sind sehr kleine Kristalle, die aus Benzol hergestellt werden.  Alternativ kann man auf mineralische Sonnencreme zurückgreifen, da deren Filter wie Zinkoxid nur das Sonnenlicht zurückreflektiert und nicht in die Haut einzieht. Aber auch da ist Vorsicht geboten: Mineralische Sonnencreme enthält teilweise Nanopartikel, die als gesundheitlich kritisch und umweltschädlich gesehen werden. Eine Kennzeichnungspflicht besteht leider noch nicht.

Erdölderivate

Sie sind äußerst preiswert und daher in vielen Kosmetikprodukten zu finden. Die Zusammensetzung von Erdölderivaten besteht hauptsächlich aus Kohlenwasserstoff. Sie sind sehr leicht zu bearbeiten, weshalb nicht nur billige Marken, sondern auch teure Hersteller gerne zu Erdöl greifen. Zu finden sind sie in Lotionen, Cremes, Pflegestiften und vor allem in Vaseline. Sie sind länger haltbar als Pflanzenöle und werden nicht ranzig. Aufgetragen verleihen sie ein geschmeidiges Hautgefühl. Das Öl bringt aber auch einige Nachteile mit sich: Es legt sich wie ein undurchlässiger Film über die Haut, sodass die Poren verstopfen und die Haut nichtmehr atmen kann. Das führt zu einem Hitzestau, der nicht austreten kann und der Haut viel Feuchtigkeit entzieht. Wenn das Öl dann schließlich durch die Gesichtsreinigung entfernt wird, entweicht noch mehr Feuchtigkeit, sodass die Haut schneller austrocknet. Hinzu kommt, dass Talg und Schweiß nicht durch die Poren ausgeschieden werden können und somit mehr Mitesser entstehen. Mit der Zeit kann die Haut sogar abhängig von Erdöl werden, da es seine eigene Regulierung nicht mehr im Griff hat. Zudem hat Erdöl keinerlei pflegenden Eigenschaften und hat daher eigentlich nichts in Kosmetik verloren. Regelmäßige Tests ergaben sogar, dass einzelne Erdölsubstanzen in unseren Organen abgelagert werden. Man erkennt den Schadstoff unter Namen wie „Paraffin Liquidum, Vaseline, Petrolatum“ oder „Mineralöl“. Alternativen sind Produkte mit Pflanzenölen.

Duftstoffe

Die meisten Menschen empfinden es als angenehm, wenn Kosmetikartikel einen Duft enthalten. Eigentlich nicht nötig, denn Parfumstoffe in der Kosmetik haben keinerlei positive Effekte auf die Haut, sondern schaden ihr sogar eher. Unter „Duftstoffe“ verstecken sich nämlich verschiedenste Allergene. Man geht davon aus, dass ca. 11,5 Prozent der Deutschen allergisch auf Duftstoffe reagieren, vor allem da unter dem Begriff keine genauen Inhaltsstoffe festgelegt sind. Es könnten sich also alle möglichen Reizstoffe im Produkt verstecken. Die Folgen sind Rötungen, Juckreiz und mitunter sogar Aufnahme in den Körper. Die Alternative wäre am besten komplett auf Parfumstoffe in Produkten zu verzichten. Vor allem, weil der Geruch nicht langanhaltend ist und einige Sekunden nach dem Auftragen verschwindet. Dass Parfumstoffe in Produkten erhalten sind, kann man an den Begriffen „Parfum“ und „Duftstoffe“ erkennen.

Aktuell müssen Kosmetikhersteller die meisten Schadstoffe noch nicht ausweisen. Oft sind sie durch komplizierte Fachbegriffe ausgedrückt, sodass der normale Durchschnittsverbraucher sie nicht sofort erkennt. Bei der Kontrolle von Schadstoffen fokussiert man sich außerdem immer nur auf die Produkte im Einzelnen. Ein kleiner Anteil von Schadstoffen in einer Gesichtscreme hat zum Beispiel nahezu keine Auswirkungen. Normalerweise benutzen wir aber mehrere Kosmetikartikel auf einmal, die in der Summe einen deutlich schädlicheren Einfluss auf unsere Gesundheit haben, da sich die Giftstoffe aufaddieren. Mit der Hilfe von speziellen Apps wie zum Beispiel Codecheck kann man Inhaltsstoffe von Kosmetika sofort überprüfen. Bei ToxFox bekommt der Hersteller sogar eine Protestbenachrichtigung falls bedenkliche Inhaltsstoffe vorhanden sind.

// Maria Klein hat diesen Beitrag recherchiert und geschrieben

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