Interview mit Drip by Drip

Die NGO Drip by Drip ist weltweit die erste gemeinnützige Organisation, die sich ausschließlich dem Abwasserproblem in der Mode- und Textilindustrie verschrieben hat. Um das enorme Wasserproblem zu bekämpfen, hat Drip by Drip verschiedene Ansätze entwickelt. Wir von jesango sind super glücklich, Drip by Drip unseren Spendenpartner nennen zu dürfen. 30 Cent pro Bestellung und 10 Cent pro neuer Registrierung im jesango Club werden für den Bau von Biosandfiltern an Drip by Drip gespendet.
Wie Drip by Drip eigentlich entstanden ist und wie sie die Fashion- und Textilindustrie wasserfreundlich verändern wollen, erfährst Du in unserem Interview!

Wie ist Drip by Drip eigentlich entstanden?

Wir wollten Lösungen für das Problem der Wasserverschmutzung schaffen, weil wir die Ungerechtigkeit einfach nicht akzeptieren wollen.

Welche Ziele verfolgt Ihr bei Drip by Drip?

Wir wollen in erster Linie die bestehende Wasserverschmutzung in Bangladesch und anderen Baumwoll- und textilproduzierenden Ländern reinigen. Darüber hinaus entwickeln und vermarkten wir Alternativen, die Produzenten und Labels dabei unterstützen zukünftig weniger Wasser zu verbrauchen und natürlich auch zu verschmutzen.

Wie stellt Ihr Euch einen Paradigmenwandel in der Fashion- und Textilinindustrie vor und wie wollt Ihr diesen erreichen?

Ein echter Wandel wird dann erreicht, wenn eine kritische Masse den Wandel fordert. Um dazu beizutragen, dass genügend Menschen vom Wasserproblem erfahren, bieten wir Workshops an und veranstalten Events auf denen Experten der Bereiche Mode, Wasser und Entwicklung gemeinsam über Problem und Lösungen sprechen. Der Wandel, den wir uns wünschen ist, dass alle Textilfirmen anfangen Wasser als eine Ressource mit Wert zu sehen und nicht mehr als einen endlosen und kostenfreien Rohstoff.

Die Spenden von jesango fließen in den Bau von Biosandfiltern, aber wie funktioniert eigentlich so ein Biosandfilter?

Biosandfilter sind eine Adaption des traditionellen Sandfilters, der seit über 200 Jahren zur kommunalen Trinkwasseraufbereitung eingesetzt wird. Der Biosandfilter ist etwa 1 Meter hoch und mit Schichten aus grobem Sand, Kies und Ziegelspänen, Aktivkohle und feinem Sand gefüllt. Jede Schicht hat ihre eigene Funk7on. Dank der biologischen und physikalischen Prozesse in den Sandschichten werden alle Krankheitserreger (Mikroorganismen, die zu den Ursachen vieler wasserbedingter Krankheiten führen) und Schwebstoffe (Schmutz und andere kleine Teile im Wasser) aus dem kontaminierten Trinkwasser entfernt. Kontaminiertes Wasser wird mindestens einmal täglich in den Biosandfilter gegossen, tropft langsam durch die verschiedenen Schichten und schließlich aus dem Wasserhahn. Es wird keine mechanische oder elektrische Leitung benötigt, denn der Filter arbeitet mittels der Schwerkraft.

Biosandfilter sind eine bequeme Option für Gemeinden, da sie jede Art von Wasser verwenden und trinkbar machen können – Brunnenwasser, Bohrlochwasser, Teich- oder Flusswasser, Leitungswasser oder Regenwasser – unabhängig davon, welche Wasserquelle für sie am zugänglichsten ist. In Bangladesch werden die Biosandfilter in Dhaka oder einem der umliegenden Dörfer an den Ufern der Flüsse Dhaleshwari und Bangshi eingesetzt. Diese Flüsse wurden stark durch Giftstoffe aus Kleidungsstücken und Textilfabriken verschmutzt.

Wie könnt Ihr überprüfen, ob die Biosandfilter wirklich funktionieren und genutzt werden?

Unsere Partnerorganisation AGROHO ist vor Ort und besichtigt und wartet die Filter regelmäßig. Sie stehen auch in engem Austausch mit den Nutzern und geben uns einmal monatlich ein Update zur Situation vor Ort.

Fahrt Ihr für die Organisation und den Bau auch selbst mal nach Bangladesch?

Ja, die Installation der Filter findet immer eher kurzfristig statt aber wir fliegen einmal jährlich nach Bangladesch und schauen uns alle Projekte selbst an.

Wieso konzentriert Ihr Euch auf den Bau von Biosandfiltern in Bangladesch – das zweitgrößte ProdukBons- und Exportland – und nicht auf das größte, also China?

Wir hatten beim Start unserer Aktivitäten direkte Kontakte in Bangladesch und haben uns persönlich davon überzeugen können wie gravierend die Lage vor Ort ist. In China ist der technologische Fortschritt weiter. Dort fehlt es eher an dem Willen zur Umsetzung. In Bangladesch gibt es den bereits. Hier fehlen die Mittel. Und das können wir unterstützen.

Sind noch andere Spendenprojekte in Planung?

Ja, wir sammeln fortwährend Spenden, um immer mehr Filter zu installieren und wollen unsere Aktivitäten in 2021 auch endlich auf ein weiteres Land ausweiten.

Ihr beschäftigt Euch ja nicht nur mit dem Bau der Biosandfilter, die schon entstandene Umweltschäden ausbessern sollen. Was hat es mit den anderen Säulen (Inform – Create – Reduce) auf sich?

Wir wollen das Problem allen beteiligten Gruppen näher bringen. Deshalb informieren wir die Konsument*innen von Mode, entwickeln Alternativen für Modelabels und helfen der Industrie die Verschmutzung der natürlichen Wasserreserven zu reduzieren.

Im Blue Lab entwickelt Ihr alternative Textilien mit dem kleinstmöglichen Wasser- Fußabdruck. Habt Ihr vor, irgendwann auch selbst Kleidungsstücke zu produzieren?

Nein. Wir als NGO sind von den Gründer*innen des Modelabels kind of blau gegründet worden, die Mode mit dem niedrigstmöglichen Wasserfußabdruck designed und produziert. Da wir eng miteinander zusammenarbeiten bleibt dieser Bereich beim Label.

Habt Ihr das Gefühl, die Fashion- und Textilindustrie freut sich über Euer Engagement und ist bereit, euer Ziel zu unterstützen oder müsst Ihr da leider auf Desinteresse und Unwillen stoßen?

Unbedingt! Schon direkt zu Beginn unserer Arbeit haben wir dazu beitragen können, dass die Neonyt, die weltweit größte Messe für nachhaltige und faire Mode, das Thema Wasser zu ihrem Jahresthema zu machen. Seitdem erweitert sich unser Netzwerk stetig und unsere Arbeit wird immer wirkungsvoller.

Welchen Herausforderungen müsst Ihr Euch sonst noch bei der Verfolgung Eures Ziels stellen?

Aktuell ist unser größtes Problem die Finanzierung unserer Arbeit. Wir haben viele Projektideen, tolle Partner, bekommen unglaublich professionelle Bewerbungen aber können das Team aktuell leider nicht erweitern. Das limitiert uns und ist sehr schade.

Ein spannender Fun Fact über Drip by Drip?

Beim ersten großen Event unseres Vereins WATER x FASHION musste unser Gründerpaar plötzlich aufbrechen, weil ihre Tochter entschieden hat genau an diesem Abend das Licht der Welt zu erblicken :)

Das Wichtigste über Drip by Drip zusammengefasst?

Drip by Drip ist eine noch junge NGO, die sich in den vergangenen zwei Jahren zu einem Vorreiter in der Textilindustrie entwickelt hat, in der Wasser immer wichtiger wird. Inzwischen haben wir 6 Biosandfilter für Bangladesch finanziert, 2 Fashion for Water-Events, 3 Universitätsworkshops und viele Aufklärungskampagnen, u.a. Women For Water, organisiert. Diese Erfolge verdanken wir unseren wertvollen Partnerschaften weltweit, unserem engagierten Team, motivierten Mitgliedern, leidenschaftlichen Freiwilligen und vielen großartigen Spender*innen.

Vielen lieben Dank @Drip by Drip für die spannenden Einblicke! Wir wünschen Euch bei der Umsetzung Eures Ziels ganz viel Erfolg und freuen uns, dabei mithelfen zu können! // Mehr Informationen zu Drip by Drip und unserem Spendenprojekt findet ihr hier.

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