Secondhand – second chance?

60 neue Kleidungsstücke kaufen Deutsche im Durchschnitt pro Jahr. Jedes fünfte wird so gut wie nie getragen. Genau diese Kleidungsstücke sind es, die im schlechtesten Fall einfach weggeschmissen oder im besten Fall über Secondhand-Shops oder Online-Plattformen weitergegeben werden. Dadurch können wir ihnen zu einem längeren Leben verhelfen und bei einer/m neuen Besitzer*in eine „zweite Chance“ geben. Klingt auf den ersten Blick natürlich total nachhaltig. Aber ist der Kauf von Secondhand-Mode eigentlich wirklich so nachhaltig wie wir denken?

 

Secondhand – was ist das eigentlich?

Secondhand bedeutet so viel wie „aus zweiter Hand“ und beschreibt den Verkauf von bereits getragenen Kleidungsstücken, die noch gut erhalten sind und deshalb noch weiterverwendet werden können.

Finden kann man Secondhand-Kleidung schon längst nicht mehr nur auf dem Flohmarkt, sondern auch in zahlreichen Vintage-Läden und gemeinnützigen Einrichtungen. Auch Online-Plattformen, über die Nutzer*innen ihre Klamotten weiterverkaufen können, werden immer beliebter: Kleiderkreisel, Mädchenflohmarkt, eBay oder eBay Kleinanzeigen und ubup zählen zu den bekanntesten.

Vielleicht habt ihr auch schon einmal von der Idee des Kleidertauschs gehört? Offiziell organisiert - wie zum Beispiel bei unserem jesango-Kleidertausch (https://www.jesango.de/blogs/news/testblog-2). Oder bei einem entspannten Treffen unter Freund*innen bringt jede*r ein paar Teile mit, die er oder sie nicht mehr braucht. Und dann wird getauscht!

 

Secondhand – second chance!

Secondhand-Mode hat einige unschlagbare Vorteile:

1. Wir retten gut erhaltene Kleidung vor dem Müll und schenken ihr ein neues Leben. Dadurch zeigen wir Wertschätzung für die Arbeit, die schon in der Kleidung steckt und Dinge, die vorher im Kleiderschrank verstaubt sind, werden für die/den nächsten Besitzer*in vielleicht zum neuen Lieblingsteil.

2. Im Gegensatz zu einem neu gekauften Produkt werden außerdem keine neuen Ressourcen verbraucht: es kommt kein neues Material in Umlauf, sondern die eingesetzten Rohstoffe, die schon in der Kleidung stecken, werden weiterverwendet.

3. Neben den benötigten Ressourcen werden zusätzlich auch der Verpackungsmüll  und das Kohlenstoffdioxid, das bei Produktion und Transport von Kleidung freigesetzt wird, vermieden, wenn wir gebrauchte statt neue Mode kaufen.

4. Auch für unsere Gesundheit sind gebrauchte Kleidungsstücke weniger bedenklich. Schadstoffe, Chemikalien und Färbemittel sind durch das häufige Waschen nicht mehr in den Stoffen vorhanden und können so nicht mehr auf unsere Haut gelangen.

    Klingt erst einmal alles richtig nachhaltig, oder? Das stimmt, aber trotzdem ist der Grundsatz secondhand = nachhaltig nur zum Teil richtig.

     

    Wo liegt der Haken?

    Denn wichtig ist, im Hinterkopf zu behalten, was wir beim Kauf von Secondhand-Kleidung oft NICHT tun: nämlich ein Kleidungsstück kaufen, das tatsächlich nachhaltig produziert wurde. Ein großer Teil der Mode, die wir in Secondhand-Shops oder auf Secondhand-Plattformen kaufen, wurde nicht mit nachhaltigen Rohstoffen und Materialien, nicht in einer ressourcenschonenden Produktion und auch nicht von Mitarbeiter*innen mit fairer Bezahlung und gerechten Arbeitsbedingungen hergestellt, sondern ist Fast Fashion. Wenn wir diese Produkte kaufen – sogar, wenn sie schon gebraucht sind - verändert sich dadurch nichts an den bestehenden, ausbeuterischen Produktionsverhältnissen.

    Beim Shoppen von gebrauchter Kleidung, die keine Fair Fashion ist, müssen wir uns also fragen: Wollen wir wirklich Unternehmen und Marken unterstützen, hinter deren Werten wir nicht stehen, indem wir ihre Kleidung tragen und somit bewerben? Wollen wir im Endeffekt vielleicht sogar die Nachfrage für diese Art von Mode steigern und dadurch das System unfairer und nicht-nachhaltiger Mode am Leben erhalten?

     

    Secondhand VS. Fair Fashion

    Zu einem Wandel in der Modeindustrie beitragen können wir vor allem, indem wir fair und nachhaltig produzierte Mode kaufen und dadurch die Produktion von Fast-Fashion-Klamotten ausbremsen. Dadurch machen wir unsere nachhaltigen Entscheidungen auch für andere sichtbar, die wir dadurch inspirieren und zum Umdenken bewegen können. Wir unterstützen aktiv Fair Fashion-Unternehmen, hinter deren Werten und deren umweltfreundlicher und nachhaltiger Produktion wir wirklich stehen und sorgen dafür, dass Arbeitsplätze mit fairen Bedingungen erhalten und geschaffen werden.

     

    Und was jetzt?

    Ideal ist es natürlich, Fair Fashion gebraucht zu kaufen. Der Kauf von Secondhand-Kleidung ist aber in jedem Fall eine gute und nachhaltige Alternative zum Kauf von Fast Fashion!

    Wie immer ist auch hier ausschlaggebend, bewusst zu konsumieren: Lasst euch nicht zu übermäßigem und unüberlegtem Konsum verleiten, weil die gebrauchten Teile günstiger sind. Schaut euch an, aus welchem Material die Kleidung hergestellt ist und woher sie stammt. Kauft nur Kleidungsstücke, die ihr wirklich braucht, die langlebig sind und die euch lange gefallen. Geht sorgsam mit ihnen um. Und, falls ihr euch doch irgendwann an einem Teil sattgesehen habt: verkauft oder verschenkt es weiter und gebt ihm eine zweite Chance!

    Wenn ihr mehr darüber wissen möchtet, wie ihr euren Konsum bewusster gestalten könnt, schaut euch auch gerne unseren letzten Blog-Artikel mit „10 Fragen, die du dir vor deinem nächsten Kleidungskauf stellen solltest“ an:
    https://www.jesango.de/blogs/news/10-fragen-die-du-dir-bei-deinem-nachsten-kleidungskauf-stellen-solltest

    // Julia Stockwald hat diesen Beitrag geschrieben und recherchiert

    Quellen:

    https://the-ognc.com/lifestyle/second-hand-kleidung-vorteile-nachteile-tipps/

    https://ahungrymind.com/2016/second-hand-vs-fair-fashion/

    https://www.fairknallt.de/column/dr.no-ist-second-hand-nachhaltig/

    https://loveco-shop.de/magazin/warum-man-mit-second-hand-kleidung-die-welt-noch-nicht-retten-kann/

     

    2 Kommentare

    • VfLeZCtQoKv am

      iFDanBArlQ

    • iluXOImLfcz am

      EhrKNtZUCido

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